Svens Top 10-Alben 2005
Auch vergangenes Jahr gab es eine Menge beachtenswerter Veröffentlichungen, von denen ich hier meine 10 liebsten vorstellen möchte ...
Eigentlich wollte ich diesen Artikel auch als Podcast veröffentlichen, gut produziert und mit Hörbeispielen, doch Gerrit nahm mir in dieser Beziehung jegliche Hoffnung auf eine sinnvolle Umsetzung, da sämtliches Veröffentlichen von GEMA-geschützter Musik und das Zitieren von Texten unter Strafe gestellt wird. Und wozu braucht es dann noch einen Podcast? Lesen kann ja hier wahrscheinlich jeder selbst.
Was 2004 bereits deutlich wurde, setzte sich auch 2005 fort – ich höre mehr Hip Hop denn je. Das wirkt sich natürlich entsprechend auf meine Jahres-Top 10 aus. Let’s go!
01. Maria Taylor »11:11« (US)
Maria Taylor ist musikalisch bisher nur in Form der einen Hälfte des Duos Azure Ray in Erscheinung getreten. Ganz davon abgesehen, dass deren Alben und EPs sowieso ausnahmslos zu empfehlen sind, hat mich ihr Solodebüt umgehauen. So viel Wärme, große Melodien, poetische Texte, Melancholie und überhaupt die wohl schönste Gesangsstimme, die ich je von einer Frau gehört habe, machen diese Platte für mich zur Platte des vergangenen Jahres.
Besonders hervorheben muss ich von den insgesamt 11 Songs allerdings noch das bewegende Stück »Xanax«. Und wenn Maria mit ihrer Schwester, ihrem Bruder, dessen und ihrem Kumpel in eurer Stadt einen Zwischenstopp einlegt, so geht hin und erlebt eines der schönsten Konzerte eures Lebens!
Zwei Hörproben des Albums in MP3-Form gibt es übrigens hier.
02. Death Cab For Cutie »Plans« (US)
Ich bin ja erst seit kurzem Fan dieser Combo, aber deren aktuelles Album, mit Ausnahme des Vorgängers »Transatlanticism«, rechtfertigt diesen Sachverhalt. Denn jetzt ist die Band da angekommen, wo ich gern abgeholt werden möchte: Bei manchmal tieftraurigen Texten, bei epischen Melodien, in knietiefer Melancholie, in tröstenden Armen. Diese Platte lässt einen nicht allein dastehen – diese Platte ist Tröster, Sprachrohr, Schulter und unendlich schön.
03. Fort Minor »Rising Tied« (US)
Ich hatte die Website von Mike Shinodas neuem Projekt ja schon einmal hier im Blog vorgestellt.
Die Single »Petrified« und das dazugehörige Video haben meine Erwartungen hochgeschraubt und nach Erscheinen des Albums war für mich ziemlich schnell klar, dass die Platte zu meiner Top 10 gehören wird. Hier stimmt einfach alles. Die Texte kommen intelligent und flüssig daher, treffen auf wie Sau kickende Beats, melancholische Pianos, große Streicher und manchmal futuristisch anmutende Keyboard-Sounds. Die Features kommen von Common, John Legend, Black Thought und den Styles of Beyond.
Zwei Hörproben des Albums in MP3-Form gibt es auch.
04. Kanye West »Late Registration« (US)
Da isser wieder, my man Kanye! Und nach dem Intro mit der vom letzten Album bekannten markanten Stimme mit Sprachfehler und dem plänkelnden Piano, kicken plötzlich – nach einem aufforderndem »Wake up Mr. West!« der Stimme – die Beats los. Wenn ich ein blöder Musikkritiker wäre, würde ich es jetzt als »erdbebengleich« bezeichnen. Und yeah, Adam Levine von Maroon 5 ist auch da! »Heard ’Em Say« – Schönes Stück. Doch »Touch The Sky« übertrifft das Ganze nochmal haushoch (nicht zuletzt dank Lupe Fiasco). Und so weiter.
Und obwohl einem Kanyes Styles von diversen Produktionen bekannt sind, ist auf diesem Album alles ein bischen anders – erdiger irgendwie. Ein bischen Jazz auch und ganz viel Soul. Ich möchte mit zum Himmel gestreckten Armen tanzen und in die Hände klatschen und ganz blöde dabei werden. Das Album kann ich mir nicht oft genug anhören.
05. Teriyaki Boyz »Beef Or Chicken« (JP)
Oh Mann, was’n das? Vier rappende Japaner und ein DJ, die von einer Edelmarke eingekleidet für diese musikalisch tätig sind – BAPE (A Bathing Ape). Produziert von fast allen großen Namen aus den USA und Co: ADROCK, The Neptunes, Just Blaaaaaaaaze, DJ Premier, DJ Shadow und und und. Und ja, das Ganze ist dumm und hat keine Qualität und so weiter, blabla. Aber die Platte macht verdammt viel Spaß und knallt ungeheuerlich. Peace, Sayonara!
06. Editors »The Back Room« (GB)
Melancholie, Verzweiflung, Angst und Wut, das sind die Gefühlslagen dieses herrlichen Albums. Natürlich erinnert der Sound an Interpol oder Joy Division, aber mich berühren die Editors mehr. Dieses Zackige, Harte und gleichzeitig Episch-Melodische macht es für mich so spannend.
07. Bloc Party »Silent Alarm« (GB)
Na bitte, auch drin – der Hype des Jahres! Nicht zu unrecht, das ist ja klar. Tolle Stimme, große Melodien und die schönste Single des Jahres, die aber nur auf der Deluxe Edition des Albums zu finden ist – »Two More Years«.
Besonders geil ist übrigens der The Streets Mix von »Banquet«!
Hörproben zum Album gibt’s auf blocparty.com
08. Røyksopp »The Understanding« (NO)
Ich geb’s zu, das von einer Frauenstimme gehauchte »okay« in »Only This Moment« macht mich am meisten an. Keine Ahnung, warum es manchmal solche Kleinigkeiten sind, die ein Stück erst so richtig kicken lassen. Komisch. Überhaupt klingt der Nachfolger des grandiosen »Melody AM« weniger süßlich, dafür flächiger, sphärischer und eher düster. Anders ist außerdem, dass nicht mehr der gute Erlend, sondern die Jungs selber singen.
09. Sigur Rós »Takk« (IS)
Die diesjährige Ölbadsaison wurde Mitte September offiziell und standesgemäß mit dem Erscheinen von »Takk« eröffnet. Eigentlich ja schon am 22. Juli 2005 im Münchner Zirkus Krone, mit einem Konzert was man nur »bewegend« nennen kann. Zum Album muss ich nichts erzählen. I listen with my eyes closed.
10. Mew »And The Glass Handed Kites« (DK)
Als ich die Single »Special« das erste Mal hörte, war ich mir fast sicher, dass das neue Album wieder ein Killer werden würde. Ich sollte recht behalten. Die Platte klingt düster, schwer, feenhaft (?) und orchestral. Außerdem ist sie aus einem Guss – ein Lied geht nahtlos in das nächste über. Dieser Effekt kommt vor allem beim Trio »Apocalypso«/»Special«/»The Zookeeper’s Boy« zum Tragen. Wahnsinn!
Sven Hofmann
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